Im vergangenen Jahr gab es immer wieder anstrengende Phasen im Distance-Learning. Aber dass diese nicht nur herausfordernd, sondern auch sehr produktiv sein konnten, beweisen folgende Zeilen.

Die Gesangsgruppen der 7C beschäftigten sich seit Jänner mit dem Themenbereichen Jazz und Improvisation. Die Mindestanforderung lautete: „Singe einen Jazzstandard und improvisiere über die Akkorde bzw. die Melodie – stelle dir vor du darfst in einem Jazzclub auftreten, also auftrittsreif!“ Alle Schülerinnen haben diese Aufgabe hervorragend gemeistert, doch eine Schülerin hat besonders beeindruckt: Elisabeth Gungl!

Sie schaffte es die Aufgabe in 2 Wochen fertig zu stellen. Ich war höchst beeindruckt aufgrund der Reife und Schnelligkeit bei der Erfüllung dieser Aufgabe, stand aber nun vor dem Problem – was nun, bis die anderen fertig sind?! So kam mir die Idee, wenn Elisabeth schon so reif mit dem Thema umgeht, vielleicht, mag sie auch in die Welt des Songwritings hineinschnuppern? Gesagt, getan, in der nächsten Stunde besprechen wir diesen Vorschlag. In dieser Stunde dann die nächste Verblüffung! Vorsichtig unterbreite ich den Vorschlag, die Schülerin lässt mich in Ruhe ausreden und dann: „Ich weiß nicht, ob Sie es wissen, aber ich schreibe Texte, also Songs… Irgendetwas wird mir bis nächste Woche schon einfallen.“ Freude, Überraschung, völlige „Baffheit“ auf meiner Seite: „Na bitte, dann leg los“.

Entstanden ist ein Song über Home–Schooling den ich der Welt nicht vorenthalten möchte, aber mehr nun von Elisabeth Gungl, 7C:

Die Entstehung meines Songs ist simpel. Jeder Schüler, jede Schülerin wird es kennen!
Ein Tag wie jeder andere, seit März 2020: In aller Herrgottsfrüh reißt mich der Wecker aus meinen süßen Träumen. Ich dreh‘ den Wecker ab und wälze mich mit Mühe und Not aus dem Bett. Entseelt mache ich mir einen Tee und schleppe mich vor den Computer. Zombie-haft drücke ich den „On“-Knopf und sehe zu, wie sich selbst mein Laptop sträubt, aufzuwachen. Ich öffne Teams. 7:49 Uhr. Ein Grinser huscht über mein Gesicht. „Perfektes Timing.“ Ich lehne mich zurück und schlürfe meinen dampfenden Tee.

Zehn Minuten später lasse ich mich von dem Vortrag des Lehrers berieseln. Eine Frage wird an uns gerichtet. Ich werde aus meiner Trance geschüttelt. „Uh, ich weiß das. Ich weiß das! Und, wenn ich jetzt was sag, komm ich vielleicht später nicht mehr dran!“ Mit neu gefundener Energie klicke ich auf das Handzeichen. Ich warte eine Minute. Zwei Minuten. Drei Minuten. Lehrer: „Wirklich niemand weiß das? Okay, dann machen wir weiter.“ Entgeistert starre ich den Bildschirm an. Was soll das? Ich werde ignoriert? Mein Leben hat keinen Sinn mehr.

Meine Existenzkrise wird unterbrochen, als es an der Tür klopft und sich ein grinsendes Gesicht hereinschiebt. „Hallo?! Ich hab‘ Unterricht. Kannst du bitte nicht einfach so reinkommen?!!“, zischt die pubertierende Streberin in mir. Mit Schuld-befreiten, erhobenen Händen weicht die Figur aus dem Raum. „Also echt, nirgends hat man seine Ruhe…nicht einmal beim Arbeiten.“, seufze ich.

Und voilà, die Idee ist geboren.

Ergo: Mein Song benötigte nur eine entrüstende Unterrichtsstunde im Distance-Learning und ein nerviges Familienmitglied.

Der Rest ging wie von selbst: Ich ging im Haus auf und ab, umkreiste das Klavier ein paar Mal und notierte, was mir gerade in den Kopf kam. Der Titel lag auf der Hand. Das Ganze noch schnell aufnehmen. Fertig.